GESCHICHTE DES AKTIVISMUS
Aktivismus bezeichnet den gezielten Einsatz von Aktionen, um gesellschaftliche, politische oder ökologische Veränderungen zu bewirken. Schon in der Antike setzten sich Menschen für Gerechtigkeit ein, etwa in Volksversammlungen Athens oder bei Sklavenaufständen im Römischen Reich.
Moderne Formen entstanden ab dem 18. Jahrhundert, etwa mit der Aufklärung, den amerikanischen und französischen Revolutionen oder der frühen Arbeiterbewegung. Im 19. und 20. Jahrhundert prägten Frauen- rechts-, Anti-Kolonial- und Bürgerrechtsbewegungen den Aktivismus mit Persönlichkeit- en wie Gandhi, Martin Luther King und Rosa Luxemburg.
Seit den 1960er-Jahren entstanden vielfältige soziale Bewegungen, darunter Umwelt-, Friedens- und LGBTQ+-Bewegungen. Mit dem Internet erhielt der Aktivismus eine neue Dimension: Hashtags, Online-Petitionen und digitale Proteste verbinden Menschen welt- weit schnell, sichtbar und oft wirksam.
Trotz unterschiedlicher Formen bleibt das Ziel gleich: eine gerechtere, freiere und lebenswertere Welt.
WEIBLICHER AKTIVISMUS
Auch wenn ihre Beiträge lange übersehen wurden, spielen Frauen seit jeher eine zentrale Rolle im Aktivismus. Bereits in der Arbeiter- und Abolitionsbewegung des 18. und 19. Jahrhunderts waren sie treibende Kräfte.
Die internationale Frauenbewegung ab dem späten 19. Jahrhundert, mit Akteurinnen wie Emmeline Pankhurst und Clara Zetkin, kämpfte für Wahlrecht, Bildung und Arbeitsrechte. Persönliche Erfahrungen wurden dabei zu politischen Forderungen - ein Kern feministischer Bewegungen bis heute. In den 1960er- und 70er-Jahren brachte die „zweite Welle“ Themen wie Selbstbestimmung, sexuelle Freiheit und Gewalt gegen Frauen ins Zentrum, geprägt von Stimmen wie Audre Lorde und Simone de Beauvoir.
Heute engagieren sich Frauen weltweit an vorderster Front. Sei es im Klimaschutz wie Greta Thunberg, in der Friedensarbeit wie Malala Yousafzai oder in Protestbewegungen gegen autoritäre Regime, etwa in Iran, Belarus oder Sudan. Dabei fordern sie nicht nur Gleichberechtigung, sondern zeigen, dass gesellschaftlicher Wandel ohne weibliche Stimmen unvollständig bleibt.
Audre Lorde, Foto © Museum Friedrichshain Kreuzberg
„I am not free while any woman is unfree, even when her shackles are very different from my own.“ — Audre Lorde (1981)
GENDER CARE GAP
Zeitaufwand für unbezahlte Arbeit in 2022 
Personen ab 18 Jahren in Stunden pro Woche
Die Gender Care Gap beschreibt den Unterschied in der unbezahlten Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern. Dazu zählen Tätigkeiten wie Kinderbetreuung, Hausarbeit, Pflege von Angehörigen oder emotionale Unterstützung – also all jene Aufgaben, die das tägliche Leben ermöglichen, aber meist unsichtbar bleiben.
Laut der Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes 2022 leisten Frauen in Deutschland 44,3 % mehr unbezahlte Care-Arbeit als Männer.1 Das bedeutet: Frauen verbringen im Alltag deutlich mehr Zeit mit Kochen, Putzen, Organisieren oder Pflegen, zusätzlich zu ihrer Erwerbsarbeit oder Ausbildung. Diese ungleiche Verteilung wirkt sich direkt auf das Leben von Frauen aus. Sie arbeiten häufiger in Teilzeit, verdienen im Schnitt weniger, steigen seltener in Führungspositionen auf und sind im Alter öfter von Armut betroffen. Männer hingegen sind strukturell oft entlastet und profitieren von einem System, das bezahlte Arbeit über Care-Arbeit stellt.
Die Gender Care Gap zeigt, dass Geschlechtergerechtigkeit nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Zeitverteilung ist. Eine gerechtere Aufteilung der Sorgearbeit, etwa durch familienfreundliche Arbeitszeiten, mehr Anerkennung für Care-Berufe und die Förderung aktiver Vaterschaft, ist ein wichtiger Schritt zu echter Gleichstellung.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/02/PD24_073_63991.html
1: Dieser Indikator wurde im Zweiten Gleichstellungsbericht der Bundesregierung entwickelt und basiert auf Daten der Zeitverwendungserhebung des Statistischen Bundesamtes (ZVE).
DYNAMIK DER GESCHLECHTER
Während sich alle Geschlechter für gesellschaftliche Anliegen einsetzen,
zeigen sich teils unterschiedliche Herangehensweisen und Herausforderungen.
Frauen und FLINTA*-Personen engagieren sich häufig in Bereichen wie Gleichberechtigung, soziale Gerechtigkeit, Care-Arbeit und Umwelt, und bringen dabei oft eine intersektionale Perspektive ein. Ihr Aktivismus ist häufig stark kollektiv ausgerichtet und basiert auf Vernetzung, Empathie und Fürsorge.
Männer sind in klassischen Protestformen oft sichtbarer und dominieren bis heute häufiger die Führungsebenen von Organisationen oder Bewegungen. Auch wenn sich dies zunehmend wandelt, spiegeln ihre Rollen im Aktivismus teils gesellschaftliche Machtverhältnisse wider.
Geschlechterrollen beeinflussen
nicht nur wer protestiert, sondern
auch wie protestiert wird und welche Stimmen gehört werden. Ein bewusster Umgang mit diesen Unterschieden ist entscheidend für eine inklusive und gerechte Bewegungs- und Protestkultur.
Die Auswertung ist das Ergebnis einer anonymen Umfrage, die im Rahmen der Ausstellung ‘Die Bauwende ist weiblich*’ in der Architektur Galerie Berlin erstellt wurde. An der Umfrage nahmen 92 Personen teil.
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